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IMBA Summit 2024: Der Weg zu legalen, stadtnahen Trails

Ein dreitägiges Programm gefüllt mit Workshops, Vorträgen, Ausflügen und jeder Menge Zweirad-Enthusiasmus. Beim diesjährigen IMBA Summit 24 stand alles unter dem Aspekt „Mountain biking in peri-urban areas”. Übersetzt verstehen wir darunter das Biken in stadtnahen Räumen. Stadtnahes Biken in Österreich? Während sich ein Teil der Community jetzt nun wieder seufzend in die Illegalität begibt, können sich einige Leuchtturmprojekte vor neidvollen Blicken kaum retten. 

Die Thematik hat das österreichische MTB-Stehaufmännchen Harald Maiers treffend zusammengefasst: Wir haben das attraktivste illegale Mountainbike-Netz Europas. Vielleicht war aber diese Diskrepanz ausschlaggebend dafür, den diesjährigen Summit in Mödling im Süden von Wien abzuhalten. 

Mit dutzenden legalen Trails rund um die Stadt wie den Anningertrails, dem Trailcenter Wien und den Wienerwald Trails hat ein Großteil der Community in Wien Zugang zu legalen Trails vor ihrer Haustür. Dass die Veranstaltung mit ihrer Agenda, dem Austragungsort und ihrer Aktualität den Nagel auf dem Kopf trifft, ist spätestens seit dem Auftritt Werner Koglers und der damit verbundenen Verabschiedung einer österreichweiten MTB-Strategie nicht mehr vom Table zu wischen.


Aber genug der einleitenden Worte. Wer eine detaillierte Zusammenfassung der Vortragenden sucht, ist beim Lines „IMBA Europe Summit 2024 in Österreich” an der richtigen Adresse. Ich möchte euch stattdessen eine Art Stimmungsbild vermitteln. Sozusagen einen gedanklichen Leitfaden, der viele Aspekte des Summits aufgreift und miteinander verstrickt. Let´s go.



Halt Stopp! Was ist IMBA überhaupt?

Hinter dem Begriff IMBA versteckt sich die International Mountain Bike Association. Zu Beginn handelte es sich dabei um eine Grassroots-Bewegung, die sich für das Betretungsrecht der Bike-Community zu Erholungszwecken einsetzte. 1988 gipfelten diese Bemühungen in der Gründung der IMBA. 2012 folgte die Gründung von IMBA Europe und damit einhergehend der Aufbau nationaler Ableger und der Versuch, das Wissen aus den Communities zu sammeln und öffentlich zugänglich zu machen.











Was macht ein Mountainbike in der heutigen Zeit aus?

Bereits am ersten Tag des Summits wird deutlich, dass das Mountainbike seit der magischen Hände Gary Fischers einen Wandel durchlebt hat. Die Bikes sind potenter denn je. Sie werden zu Türöffnern und ermöglichen ihren Nutzerinnen und Nutzern einen Zugang zu neuen Welten. Dass sich aus dieser Entwicklung neue Probleme, Verantwortungen aber auch Möglichkeiten ergeben, ist spätestens seit dem E-Bike-Boom während der Corona-Zeit bekannt.

Wichtiger für die Diskussion über die drei Tage war die Frage, ob der Begriff Mountainbike für heutige Maßstäbe überhaupt noch angemessen ist. Susanne Leputsch als Vertretung des Europarc Komitees und April Marshke von Cycling Industries Europe brachten ihre Gedanken auf den Punkt:  Mit Blick auf die unzähligen Pumptracks und kreativen Lösungen einiger Vereine, die sich in Ballungsräumen gegründet haben und ohne viele Höhenmeter auskommen, muss konstatiert werden, dass die Beschreibung geländegängiges Fahrrad wohl zutreffender wäre. Damit soll den Bikes aber keinesfalls ihr bergiges Potential abgesprochen werden, sondern eher der Fokus darauf gelegt werden, dass Mountainbikes genauso vielseitig sind, wie deren Nutzen und das Publikum, welches sich ihrer bedient. 





Doch warum die Spitzfindigkeit um den Begriff? Moderne (urbane) Raumplanungskonzepte bemühen sich um eine Entflechtung der Begriffe Alltagstrott und Freizeit. Der Fahrradweg zum Arbeitsplatz soll nicht mehr nur effektiv und sicher sein, sondern auch attraktiv . Klingt erst einmal vielversprechend.


Der Perspektivwechsel, der während der Podiumsdiskussion aufkam und den Rest des Tages nachhallte, sollte das damit einhergehende Problem aufzeigen. Wer einen Blick auf die Topografie Österreichs wirft, wird feststellen, dass es ein Ost-West-Gefälle hinsichtlich der Verteilung der Berge gibt. Während im Westen schroffe Gipfel thronen, nehmen die Gipfelkreuze Richtung Osten zunehmend ab. Somit entwickelte sich über Jahrzehnte im Westen eine touristische Infrastruktur rund um den Wintersport. Und da diesem in absehbarer Zukunft im wahrsten Sinne des Wortes die Grundlage fehlt, scheint eine zahlungskräftige Bike-Community eine gute Alternative.


Die (un)sichtbare Wertschöpfung

Traditionsgemäß hat man in Österreich also durchaus Erfahrung damit, Bergsport als touristische Attraktion zu vermarkten. Schließlich lassen sich Liftfahrten und ausgebuchte Hotels als guter Wirtschaftsindikator anführen, um einen Ausbau der Infrastruktur in den bekannten Gegenden zu befürworten. 

Doch welche Gründe führen diejenigen an, die (noch) keine Trails vor ihrer Haustür haben? Somit wären wir wieder bei den Konzepten moderner Raumplaner. Das Potential etwas einzuschätzen, wovon es keine Bemessungsgrundlage gibt, ist schwierig. Entsprechend verhalten kann der Enthusiasmus der Stakeholder ausfallen, wenn man als engagierte Community auftritt, um seine Anliegen vorzubringen.  


Treffenderweise liegt für April Marshke darin die Hauptaufgabe lokaler Communities. Sie betonte, dass die Argumentation der Wertschöpfung schlichtweg eine andere sei. Es gehe zu Beginn nicht darum, nachzuweisen, wie viele Hotelbetten man zukünftig füllen würde, sondern um den Mehrwert, den man innerhalb eines Raumes {Stadt, Gemeinde, etc.} schaffen könne. Gesundheitliche Aspekte spielten genauso eine Rolle wie der verantwortungsbewusste Umgang mit der Natur. 

Der Großteil derer, die sich ihr erstes Mountainbike kaufen, erwerben dieses im Shop nebenan. Ohne eine lokale Community und deren Bildungsauftrag werden zukünftige Repräsentanten des Sports unwissend in die Natur entlassen. Dass sich unter diesen Umständen kein Lerneffekt einstellt, sollte allen bewusst sein. In vielen Gesprächen mit Stakeholdern geht es also darum, die Chancen, die sich aus einer wachsenden Community ergeben, zu vermitteln. Somit wird der Trail vom Problem zum Problemlöser, wodurch Argumente wie: Du darfst hier nicht fahren, weil das ist illegal entkräftet werden, indem man ihnen mit der Frage begegnet, wie die Community den richtigen Umgang mit dem Wald lernen soll, wenn niemand diesen befahren darf.

Dass solche Entwicklungen möglich sind, ist in Städten wie Freiburg und soweit ich es über die zwei Tage beurteilen konnte, in Wien zu beobachten.


Zähl amoi

Die zahlreichen Vorträge beschränkten sich aber nicht nur auf das Formulieren von Argumenten. Es folgten Praxisbeispiele von Graeme McLean und Carolyn Robertson aus Schottland, die zeigten, wie wichtig es ist, moderne Zähl- und Visualisierungsoptionen wie Strava Heatmaps von Beginn an zu implementieren. Messungen von Fahrten dienen nicht nur als Indikatoren dafür, um den Nutzungsdruck auf Trails aufzuzeigen, sondern können auch als Argument herangezogen werden, um die erfolgreiche Lenkung abseits von sensiblen Naturräumen zu verbessern. Bereits vor zwei Jahren, im Rahmen des MTB Kongress in Saalbach, nutzte MTB Linz Visualisierungen, um mit ihren Bemühungen am Pfenningberg zu veranschaulichen, dass eine Lenkung der Bike-Community von sensiblen Bereichen auf legale, bedarfsgerechte Trails von Erfolg gekrönt sein kann.

Hier kurz der Griff an die eigene Nase: Entsprechende Fehlverhalten auf bestehenden Trails wie das Ignorieren der Fahrzeiten werden natürlich genauso sichtbar und schwächen mitunter die Schlagkraft der eigenen Argumente.





Ich entschuldige mich abschließend bei allen, die es bis zu diesem Satz geschafft haben und sich jetzt stirnrunzelnd fragen, wo die Blaupause für das Trailcenter am Gaisberg bleibt. Nun, die kann ich euch auch nicht liefern. Genauso wichtig war es für uns aber, die Erfolgsrezepte anderer Länder, Vereine, Privatpersonen und Initiativen zu hören und sich anschließend Gedanken darüber zu machen, wie man diese Herangehensweisen auf das eigene Handeln herunterbrechen kann. Daraus ergeben sich wieder neue Argumente und Synergien, die wir als Verein nutzen wollen, um bei zukünftigen Gesprächen (noch) selbstbewusster aufzutreten.

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