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MTB-Kongress 2026 in Österreich: Steht Mountainbiken nun auf eigenen Beinen?

Nach zehn Jahren Mountainbike Kongress in Saalbach läutet Organisator und Bike-Visionär Harald „Hari” Maier die Kuhglocke im Veranstaltungssaal des Tourismusbüros und ruft zum womöglich letzten MTB-Abtrieb. Vom 9. bis 11. Juni durften wir als Verein erneut am österreichischen MTB-Kongress teilnehmen. Die Veranstaltung brachte Vertreter:innen aus Vereinen, Tourismus, Trailbau, Bildung und Politik zusammen. Rückblickend lassen sich die Vorträge und Diskussionsfelder folgenden Themen zuordnen: den Folgen des Klimawandels für Infrastruktur und Communitys, der Notwendigkeit von Strategie und Wartung bei MTB-Angeboten, der Nachwuchsförderung sowie der gesellschaftlichen Rolle des Fahrrads.


Nutzen wir den Moment, um Gesagtes zusammenzufassen und zu reflektieren – gleichzeitig möchten wir Chancen sowie Verantwortlichkeiten im Vereinskontext zur Diskussion stellen.


Lisa Ribarich von Cycling4All und den Anninger Trails bei Wien präsentiert neue Ideen und Maßnahmen in der Nachwuchsförderung.
Lisa Ribarich von Cycling4All und den Anninger Trails bei Wien präsentiert neue Ideen und Maßnahmen in der Nachwuchsförderung.

Mountainbiken ist längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen


Ein zentrales Thema des Kongresses war die Entwicklung der letzten Jahre. Das Mountainbike hat sich von einer Nischensportart zu einem relevanten gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Faktor entwickelt. Besonders die Verbreitung von E-Bikes hat dazu beigetragen, dass deutlich mehr Menschen Zugang zum Radfahren gefunden haben.

Mehrere Vortragende bezeichneten das E-Bike als eine Form der „Demokratisierung des Fahrradfahrens“. Leistungsunterschiede werden ausgeglichen, ältere Menschen bleiben länger aktiv und neue Zielgruppen finden den Zugang zum Sport.


Gleichzeitig wächst die Bedeutung des Fahrrads für die Bereiche:

  • Gesundheit 

  • Mobilität 

  • Lebensqualität 


Interessant waren Gedankenspiele für kommunale Anreizsysteme, die Fahrradfahren im Alltag fördern sollen, sodass sich positive Auswirkungen auf Krankenstände und Gesundheitskosten ergeben.

Für uns als Verein bedeutet diese Entwicklung vor allem eines: Die Zielgruppe wird größer und vielfältiger. Angebote müssen daher breiter gedacht werden als reine Sportprogramme.


Vom Trail zur Destination – Wachstum braucht Infrastruktur


Wie die letzten Jahre nahm auch der Mountainbike-Tourismus heuer eine wichtige Rolle ein. Hier wurde jedoch nicht nur über die Vorbildwirkung der Leuchtturmregionen wie Leogang, Saalbach-Hinterglemm, Sölden, Lake Bike und Wexl gesprochen. Es wurde explizit hervorgehoben, dass es österreichweit ein deutliches Ungleichgewicht im Angebot zwischen „künstlichen Bikepark-Produkten” ohne große Communitys im ländlichen Raum und urbaner Areale, ohne bedarfsgerechte Angebote, aber mit sehr großen Communitys gibt.

Vor allem vor dem Hintergrund des Klimawandels muss eine stärkere Ausrichtung von (ehemals) Wintersportdestinationen auf Sommer- und Ganzjahresangebote erfolgen. Dabei wurde jedoch deutlich gemacht, dass Infrastruktur nicht beliebig skalierbar ist. Mehr Nachfrage bedeutet zwangsläufig mehr legale Trails, mehr Betreuung und mehr Wartungsaufwand.



Nachhaltigkeit beginnt bei der Trail-Wartung


Ein wiederkehrendes Thema war die Bedeutung professioneller Wartungssysteme, da sie bei der Entwicklung einer langfristigen Strategie mehrere Aspekte gewährleistet:


  • Sicherheit

  • Nachhaltigkeit

  • Nutzer:innenzufriedenheit

  • Akzeptanz bei Stakeholder:innen und Behörden


Gleichzeitig wurde betont, dass Wartung nicht ausschließlich technischer Natur ist. Erfolgreiche Modelle integrieren die Community aktiv und schaffen Feedback-Kanäle direkt am Trail.

Mögliche Vereinsansätze:


  • Digitale Feedbacksysteme testen.

  • Know-how für moderne Wartungsstandards aufbauen und dokumentieren.


Kommunikation statt Frontenbildung


Die Zeit der reinen Forderungen scheint vorbei – nicht nur auf Seiten der Bike-Community. Stattdessen wurde mehrfach betont, dass erfolgreiche Projekte dort entstehen, wo Bedürfnisse und Interessen verständlich kommuniziert werden. „Betroffene müssen zu Beteiligten werden”, war ein häufig zitierter Satz von Karl Morgenbesser, MTB-Koordinator Österreich.


Ob Waldbesitzer:innen, Gemeinden, Tourismus, Naturschutz oder Nutzer:innen – nachhaltige Lösungen entstehen nur auf Basis einer gemeinsamen Wissensgrundlage.


Für Vereine kann dies bedeuten, eine stärkere Vermittlerrolle zwischen unterschiedlichen Interessen einzunehmen. Wobei dieser Punkt mit Blick auf die zum Teil hohen Anforderungen und komplizierten Abläufe bei der Legalisierung von Projekten die Frage aufwirft, ob sich ein ehrenamtlicher Verein diesen Mantel des Kümmernden überhaupt überstreifen sollte.

Anforderungen an moderne Infrastruktur


Ein weiterer Schwerpunkt war die Frage, mit welchen Anforderungen MTB-Angebote zukünftig umgehen müssen. Sie sollten …


  • Starkwettereignissen (Sturm, Regen, Trockenheit) trotzen.

  • so konzipiert werden, dass sie verschobenen Nutzungszeiträumen (bis in den Winter hinein) standhalten können.

  • den erhöhten Anforderungen durch moderne Bikes und unterschiedlichen Nutzungsgruppen standhalten.


Besonders spannend waren Ansätze zu gemeinsam gedachten Wasser- und Energiemanagement-Konzepten. Ziel solltest es sein, dass alle Stakeholder:innen von derselben Infrastruktur profitieren. Hierbei stand vor allem das Thema Waldbrand im Mittelpunkt und welche zukünftige Rolle Forstwege- und Trailkonzepte in Kombination mit Speicherteichen bei Bränden einnehmen können. Trockene Trails gehen häufig mit einer erhöhten Waldbrandgefahr einher. Die Kernaussage dahinter: Gesunde Wälder und funktionierende Trails verfolgen häufig dieselben Interessen.


Nachwuchsförderung als Schlüssel für die Zukunft


Über die drei Tage hinweg war die Entwicklung junger Mountainbiker:innen ein zentrales Anliegen. Die Erfahrung zeigt, dass Kinder immer früher mit dem Sport beginnen, wenn Infrastruktur, Familie und soziales Umfeld stimmen.


In diesem Zusammenhang wurde häufig auf die Notwendigkeit von sicherer Alltagsmobilität hingewiesen – egal ob auf dem Weg zur Schule, zum Pumptrack in der Nachbarschaft oder auf umliegende Trails im Wald. Diese Sicherheit trägt dazu bei, dass das Fahrrad langfristig häufiger genutzt wird.


Genauso wurden aber auch die finanziellen Hürden diskutiert, die es finanzschwachen Familien nicht einfach machen, Kindern den Zugang zum Sport zu ermöglichen.


Fazit: Steht Mountainbiken nun auf eigenen Füßen?


Erneut hat der MTB-Kongress mit seinen Themen und Diskussionen verdeutlicht, dass Mountainbiken längst mehr ist als Sport. Themen wie Gesundheit, Mobilität, Tourismus, Bildung und Klimaanpassung sind inzwischen eng mit der Entwicklung des Sports verbunden.

Für uns als Verein bedeutet das eine neue Rolle: Neben Fahrtechnik-Trainings, Informationsveranstaltungen und Community-Building wird die Vermittlungsrolle für Regionen und Gemeinden immer wichtiger.


Die Zukunft des Mountainbikens im – urbanen – Raum wird nicht nur auf den Trails entschieden – sondern vor allem in der Zusammenarbeit der Menschen, die sie nutzen, pflegen und gestalten. Erfolgreiche Konzepte werden immer mehr daran gemessen, ob sie den Anspruch von „Trails near Home” erfüllen und ob sie sich niederschwellig in die Alltagsmobilität integrieren lassen. 


Schlussendlich gilt es noch die Frage zu klären, warum nach zehn Jahren Schluss mit dem MTB-Kongress ist – schließlich gleicht die Entwicklung des Mountainbikes in Österreich noch keinem Sprint. Mit der Gründung einer MTB-Koordinationsstelle und der zu erwartenden Strategie hat das Kind zumindest den aufrechten Gang gelernt. Somit lässt sich resümieren, dass Haris Bemühungen um Transparenz und Wissensaustausch auf einer gemeinsam geteilten Bühne Früchte getragen haben. Auch unser Dank gilt Hari sowie allen Mitstreiter:innen, die sich über die Jahre unentwegt aufgerieben haben.

Falls du dich intensiver mit den Themen des Kongresses auseinandersetzen möchtest, empfehlen wir dir die Plattform Wissen.Mountainbike.at

 
 
 

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